Japanische Kultur ist nicht gleich japanische Firmenkultur

Jeder Ausländer der in einer japanischen Firma tätig ist oder war, wird das bestätigen. Die japanische Kultur ist schon etwas besonderes, das ist nicht negativ gemeint, ganz im Gegenteil. So ein Zusammenhalt und die Loyalität in einer japanischen Firma gibt es wohl in keinem anderen Land.

Aber hier sind wir auch schon am Punkt. Zwischen der japanischen Kultur und der japanischen Firmenkultur muss man dringend unterscheiden. Wer das nicht macht, kämmt alle Japaner über einen Kamm und kommt zu falschen Ergebnissen, wie das manche Journalisten gerade gern tun.

Japan steht wie Deutschland vor oder vielmehr mitten drin im demographischen Wandel und hier wird es meiner Meinung in japanischen Firmen deutlich verpasst nächste Generation an das Ruder zu lassen.

Das hat nichts mit der japanischen Kultur zu tun, obwohl das einige gern vermischen. Meiner Erachtens ist das vielmehr ein Problem der japanischen Firmenkultur und das Problem sieht man hauptsächlich dann, wenn man Einblick in eine traditionelle japanische Firma bekommt, welche eine langjährige Historie hat. Denn hier verankert sich die Firmenkultur stärker als in einer jungen Firma. Das ist ist Deutschland nicht anders, aber der Fortschritt ist in Deutschland erheblich schneller.

Allerdings, in Japan sitzen in den Chefetagen fast nur alte Herren und lässt die junge Generation nicht ran. Getreu dem Motto: “Demografischer Wandel” – ich bin auch mit 70 noch fit und will nicht zu Hause herum sitzen. Oder, “Globale Firma” – wir verkaufen schon in das Ausland, also sind wir eine globale Firma. Das das nicht korrekt ist, ist noch nicht angekommen oder will man nicht wahr haben. Aber genau hier liegen die Chancen, leider sieht man diese nicht.

Im Globalen Wirtschaftsbereich hat Japan einen enormen Nachholbedarf. Das fängt beim einfachen Marketing an und zieht sich durch bis zum Verkauf. Hier könnte eine jüngere Generation von Manager mehr für den globalen Markt in der Firmenkultur tun. Der Sevicebereich ist hingegen ein starker Sektor, hier wurden gute Strukturen geschaffen. Wenn es aber um Produkte geht, ist der Workflow und der Prozess zu langsam, viel zu langsam.

Vertane Verkaufschancen im globalen Markt sind bei großen bekannten japanischen Firmen leider keine Seltenheit.

Aber woran liegt es genau? Nun, die alte Herrenriege an der Front ist das Hauptproblem. Die Ursache scheint wiederum, das diese Herren keinen oder selten ein Computer benutzen um für schnelle Kommunikationswege sorgen zu können. Sie lieben das Papier und zu vieles muss deshalb extra ausgedruckt werden, damit dies mit ein Personenstempel abgesegnet werden kann. So wandert auch das Papier rund um die Welt zu den Zweigniederlassungen oder Tochterfirmen.
Hinzu kommt, das man nur selten Englisch spricht und benutzt. Es wird also nur in Ausnahmesituationen eingesetzt, denn Kommunikation ist japanisch und das wird sich nicht so schnell ändern, wenn auch in den Tochterunternehmen ältere Japaner nicht vom Stuhl rücken.

So durchläuft also ein Papier zunächst alle Etagen bis zum Chef. Das betrifft nicht nur notwendige, sondern leider auch unwichtige Formulare. Ein Mitarbeiter oder höherer Angestellter, selbst ein Abteilungsleiter, hat keine Verantwortung im klassischen Sinn wie wir das aus Deutschland kennen. Der Firmenchef muss alles Absegnen und wenn etwas schief geht, dann ist der Chef daran Schuld. Ein umdenken dieser Firmenkultur ist hier unumgänglich.

Durch die Teambildung, gibt es somit keine verteilte Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter, was ein deutlicher Nachteil ist. Wenn der Mitarbeiter keine Verantwortung hat, was ist dann die Motivation für jeden einzelnen? Die Motivation ist, dass er in dieser Firma arbeiten darf und durch die Loyalität gibt jeder sein bestes und wird niemals die Position seines nächsten Chefs anzweifeln, denn er hat ja schließlich am Ende immer Recht und steht für alles gerade.

Das es auch anders geht, zeigen Ausnahmefirmen wie Nissan oder Rakten. Hier wurde erfolgreich ein radikaler Schnitt in die Firmenkultur durchgeführt. Vernetzte Kommunikation in einer globalen Software-Plattform, elektronische Formulare sind auf Englisch und Meetings sowie deren Protokolle gibt es auch ausschließlich auf Englisch.

Und ist dies nun wirklich notwendig für Japan, die globalen Strategien zu übernehmen, auch wenn sich Japan als Insel eine autarke Struktur aufgebaut hat? Ja, denn die Weltwirtschaft richtet sich nicht nach einem Land und Japan kann bei der Wirtschaft im Exportbereich sich nicht auf China oder ein anderes Land verlassen. Japan muss richtig global reagieren können und das schafft man nur mit westlicher Strategie.

Ob das auch gut ist für den Japaner und seine Kultur? Auch hier ein deutliches ja. Es wird mit Sicherheit auch Veränderungen mit sich bringen, aber der Japaner ist weit mehr vorausdenkend als wir deutsche und könnte daher der richtigen Mittelweg für sich finden. Das ein Wandel möglich ist, hat die Geschichte von Japan gezeigt, man muss nur wollen und die Augen öffnen. Das betrifft besonders die Herren älteren Semesters, aber das scheint leider zu spät, oder leider nur in ausnahmen Fällen so zu sein.

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2 Kommentare

  1. tabibito

    1. Dezember 2015 - 2:10
    Reply

    Du nennst hier Rakuten als Beispiel… bei Rakuten muessen alle Angestellten – tagtaeglich – einen Daily Report, adressiert an den obersten Chef Mikitani, verfassen. Wobei jener eher leidlich Englisch spricht.
    Die Einfuehrung des Englischen als betriebsinterne Sprache bei Rakuten ist ein schaler Scherz. Rakuten hat zwar erkannt, wie es eigentlich sein sollte (und wie man kostenlos viel Publicity einheimst), aber Rakuten ist letztendlich nichts weiter als eine traditionelle japanische Firma. Juenger zwar, aber nicht besser. Ganz im Gegenteil.

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